Zwölf Sensoren, gebaut von Jugendlichen: Calw misst sein Stadtklima

Zwölf neue Umweltsensoren erweitern das Calwer Bürger-GIS und liefern künftig wertvolle Informationen über das lokale Klima. Hinter dem neuen Messnetz steckt nicht nur moderne Technik, sondern auch eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Calw und dem Jugendforschungszentrum Region Calw e. V.

Was gemessen wird

Die Sensoren erfassen Klimadaten direkt vor Ort: Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Bodenfeuchtigkeit sowie – je nach Standort – weitere Umweltparameter wie die Windgeschwindigkeit. Die Messwerte werden direkt im Bürger-GIS dargestellt und sind damit öffentlich zugänglich.

Die Sensoren bilden den Auftakt eines langfristigen Klima-Monitorings. Die Daten sollen helfen, Veränderungen des Stadtklimas zu beobachten und Erkenntnisse für künftige Klimaanpassungsmaßnahmen zu gewinnen. Das Vorhaben steht im Zusammenhang mit der Grünen Innenstadt und der Umgestaltung des Calwer Stadtgartens.

Wie die Technik funktioniert

Die Sensoren basieren auf der energieeffizienten LoRaWAN-Technologie (Long Range Wide Area Network). Dieser speziell für das Internet der Dinge entwickelte Funkstandard ermöglicht die drahtlose Übertragung kleiner Datenmengen über große Entfernungen. Die Messwerte werden an sogenannte Gateways gesendet, anschließend in einer Datenbank gespeichert und schließlich direkt im Bürger-GIS visualisiert.

Die Stromversorgung erfolgt je nach Standort über Straßenlaternen oder Solarzellen. So entsteht ein nachhaltiges und wartungsarmes Messnetz.

Gebaut von jungen Forscherinnen und Forschern

Gemeinsam entwickelten Projektleiterin Melanie Gentzel und Thomas Heß vom Jugendforschungszentrum das Konzept für die Sensorstandorte und die Art der Datenerhebung. Nach einer Analyse geeigneter Messpunkte wurden die Standorte festgelegt und kartiert.

Das Jugendforschungszentrum beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit intensiv mit der LoRaWAN-Messtechnik, insbesondere an seiner Außenstelle, dem C-Turm. Entsprechend groß war die Begeisterung für das gemeinsame Projekt mit der Stadt.

Die Entwicklung des Messsystems lag vollständig in den Händen des Forschungsteams: Von der Konzeption der Elektronik über den Bau der Platinen bis hin zur Programmierung der Datenbank entstand die komplette technische Infrastruktur im Jugendforschungszentrum. Die Projektleitung innerhalb des JFZ übernehmen Thomas Heß und Ralf Stoffels. Gemeinsam mit den jungen Forscherinnen und Forschern entwickeln sie das System kontinuierlich weiter.

Erst der Anfang

Die zunächst zwölf installierten Sensoren sind erst der Anfang. Langfristig sollen die gewonnenen Daten helfen, Veränderungen des Stadtklimas sichtbar zu machen. Gleichzeitig kann das Projekt Modellcharakter für andere Kommunen entwickeln.

Damit verbindet das Projekt kommunale Stadtentwicklung mit moderner Technik und praktischer Forschungsarbeit vor Ort – und zeigt, dass Jugendbeteiligung in Calw nicht auf den Jugendbeirat beschränkt ist.

Das Bürger-GIS selbst gibt es seit März 2024; entwickelt wurde es von der städtischen Kartografin Melanie Gentzel.

Nachtrag: Dieser Beitrag wurde im November 2026 nachträglich veröffentlicht, um die Chronik der Bürger- und Jugendbeteiligung in Calw zu vervollständigen.