Calw bringt eigene Wohnbaugesellschaft auf den Weg

Wohnraum ist knapp, die Preise sind hoch – und der Bedarf ist da. Um diese Herausforderung in den kommenden Jahren anzugehen, gründet die Stadt Calw die Calwer Wohnbau GmbH. Eine Wohnbaugesellschaft, die die Stadt weiterentwickeln und für Menschen aller Bevölkerungsschichten ein Zuhause schaffen soll.
Der Wohnungsmarkt steht unter Druck. Neue Erhebungen zeigen, dass in den vergangenen Jahren deutlich weniger gebaut wurde als erwartet. Und das bei einer steigenden Einwohnerzahl. 2040 könnten laut Statistik bereits knapp 30.000 Menschen in Calw leben. Gleichzeitig haben sich die Immobilienpreise zwischen 2011 und 2023 verdoppelt. An dieser Problematik setzt die Calwer Wohnbau GmbH an: Durch gezielte Investitionen in den Wohnungsbau, Sanierungen und Bestandsentwicklung soll die Zukunftsfähigkeit des Wohnens in Calw gesichert werden.
Die Gründung der Calwer Wohnbau ist bereits vom Gemeinderat beschlossen, notariell beurkundet und von der Rechtsaufsicht für gesetzmäßig eingestuft worden. Nun steht nur noch die Eintragung ins Handelsregister aus. Damit geht eine mehrjährige Planungs- und Vorbereitungsphase zu Ende.
Die Idee für eine kommunale Wohnbaugesellschaft für Calw existiert nämlich schon seit Langem. 2021 ließ die Stadt prüfen, welche Rechtsform, welche Organisationsstruktur und welche wirtschaftlichen Modelle für eine kommunale Wohnbaugesellschaft tragfähig sein könnten. Die Ausgangslage war schon damals klar: begrenzte Freiflächen, Entwicklungspotenziale im eigenen Bestand, ein erheblicher Sanierungsstau und die strategische Frage, wie Wohnraumversorgung, Flächenentwicklung und Haushaltsentlastung künftig besser zusammengeführt werden können.
In Betracht kamen zum damaligen Zeitpunkt verschiedene Modelle, beispielsweise die Weiterentwicklung der bestehenden Calwer Stadtsanierungs-GmbH, Gespräche mit der Kreisbau Calw eG oder interkommunale Ansätze. Schlussendlich stellte sich jedoch die Gründung einer eigenen Wohnbaugesellschaft als die einzig tragfähige Option heraus, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Die GmbH bietet hierbei die größtmögliche Eigenständigkeit
und Flexibilität, bleibt jedoch trotzdem kommunalpolitisch steuerbar. Alleinige Gesellschafterin ist die Große Kreisstadt Calw. Der Gesellschaftsvertrag sieht als Organe die Geschäftsführung, einen Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung vor. Der Aufsichtsrat besteht aus fünf Mitgliedern; der Oberbürgermeister übernimmt den Vorsitz. Als Geschäftsführer ist Robert Bencsik vorgesehen.
Der 58-jährige gelernte Bankkaufmann blickt auf langjährige Erfahrung im Baufinanzierungsgeschäft, als Immobilienmakler sowie als Projektentwickler und Betriebsleiter zurück. Für ihn ist es eine einmalige Gelegenheit, die Calwer Wohnbau von der Gründung an zu begleiten. Seine größte Motivation: das Schaffen von Wohnraum für kommende Generationen. Perspektivisch wird sich der Geschäftsführer dafür ein kleines, schlagkräftiges Team aufbauen.
Das gesellschaftsrechtliche Stammkapital der Calwer Wohnbau GmbH beträgt 25.000 Euro. Darüber hinaus sieht die Wirtschaftsplanung für die Aufbauphase eine Eigenkapitalausstattung der Stadt in Höhe von einer Million Euro vor, verteilt auf mehrere Jahre. Diese Mittel sollen die Anlaufphase, die Planungskosten und den strukturellen Aufbau absichern. Ziel ist ausdrücklich nicht eine dauerhafte Bezuschussung aus dem Kernhaushalt, sondern der mittelfristige Aufbau einer Gesellschaft, die sich zunehmend aus eigener Kraft tragen kann.
In Zeiten steigender Bau- und Finanzierungskosten, eines Mangels an Handwerkern und möglicher Verzögerungen wird das nicht einfach. Doch angesichts des Wohnungsdrucks und des Sanierungsstaus die Hände in den Schoß zu legen, wäre der falsche Weg, macht OB Florian Kling deutlich. Natürlich werde die Calwer Wohnbau nicht auf einen Schlag Hunderte Wohnungen bauen, ergänzt er. „Sie ist ein langfristiges kommunales Aufbauprojekt, das Strukturen schafft, Potenziale aktiviert und unserer Stadt Schritt für Schritt mehr Handlungsspielraum gibt.“
Geschäftsführer Robert Bencsik sieht die Calwer Wohnbau GmbH als Instrument kommunaler Daseinsvorsorge. Sie soll die Wohnraumversorgung für breite Schichten der Bevölkerung sichern, städtische Grundstücke und Bestandsimmobilien entwickeln, sanieren, verwalten und dort, wo möglich, neue Wohnprojekte auf den Weg bringen. OB Florian Kling ergänzt: „Der Bedarf ist da, der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist real – und wir wollen darauf nicht nur reagieren, sondern vorausschauend handeln.“